Wünsche und ungeahnte Bedürfnisse

Neulich brachte mein Mann mir aus der Regionalbahn zwei Zeitschriften eines Reformhauses mit, welche Mitreisende dort extra für andere Fahrgäste liegengelassen hatten. Eine nette Geste wie wir fanden. Die Reisenden hätten die Zeitungen ja auch einfach irgendwo in den Müll werfen können. Ich habe die Zeitungen- weil sie ja nun schon mal  da waren- durchgeblättert und hatte plötzlich den Wunsch mir ganz viele der angepriesenen gesunden Dinge anzuschaffen. Also speziell Kosmetika für Frauen für besseres und gesünderes Aussehen, aber auch besondere Vitaminprodukte und so einiges mehr.

Ich lese selten Zeitschriften und noch seltener spezielle Frauenzeitschriften mit tollen Modetipps, weil ich dann regelmässig Dinge besitzen möchte, von deren Existenz ich vor dem Aufschlagen des Heftes noch gar nichts ahnte.  Und weil ich mich da ständig mit anderen abgebildeten, toll gestylten Frauen vergleiche. Es passiert mir ganz automatisch, dass ich denke: Wenn ich die gleichen Sachen trage wie diese Frauen auf den Fotos, dann sehe ich auch so gut aus. So eine Zeitschrift – egal welche – weckt bei mir immer ungeahnte Bedürfnisse. Auch dieses Mal habe ich bewusst die Zeitungen irgendwann wieder zur Seite gelegt und mir auch keinen Einkaufszettel geschrieben. Manchmal schreibe ich mir nämlich direkt beim Lesen von Zeitschriften eine Wunschliste oder auch To Do-Liste. Diese Liste lege ich aber   i. d. R. erstmal weg um sie meist nach einiger Zeit  (glücklicherweise) ganz zu vergessen.

In den letzten Wochen fiel mir der Konsumverzicht zugegeben sehr schwer. Der Verlust unseres Hundes hat ein großes Loch in unserem Leben gerissen und ich dachte natürlich so wie früher auch ganz häufig daran dieses Loch und die unangenehmen Gefühle mit ein wenig Konsum und viel Ablenkung zu kompensieren. Zwar dachte ich nicht speziell an Klamottenkauf, dazu konnte und wollte ich mich nicht aufraffen, aber im Bezug auf das Essen gehen im Restaurant und Cafebesuche haben wir es nicht ganz geschafft.

Es gibt einfach Zeiten im Leben, da hilft ein Spaziergang durch den Park mit einem Becher Eis mit Sahne mehr, als der hundertprozentige Verzicht auf Alles. Es wurden mehrere Eisbecher und mehrere Spaziergänge. Und wir sind Essen gegangen. Wir verzichten schon seit Längerem auch bewusst auf die Restaurantbesuche und kochen uns lieber zu Hause etwas. Das steht ja auch für dieses Jahr auf der Liste für den Minimalismus und die Sparsamkeit. Ich finde es ok manchmal eine Ausnahme zu machen, wenn es die Umstände erfordern. Und ich habe kein schlechtes Gewissen mir selbst gegenüber, weil es nicht immer gleich gut klappt mit den selbstauferlegten Beschränkungen.

Mein Fazit: Es ist einfacher für mich nicht zu konsumieren, wenn es mir gut geht! Ich kann dann auch besser alleine sein und habe nicht so oft das Bedürfnis irgendwohin zu fahren um Abwechslung und Ablenkung zu bekommen.

Vielleicht spielt zur Zeit auch das für April sehr kalte Wetter eine Rolle dabei? Ich freue mich sehr auf mehr Sonnenschein und Wärme.

 

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