KaufRausch mit FinanzKater

Seit mehr als 1 Jahr schreibe ich in diesem Blog über meinen Weg zu meinem persönlichen Minimalismus  oder ganz allgemein über Themen des Konsums, die mich und hoffentlich auch Sie zumindest manchmal interessieren… Nahezu täglich beschäftige ich mich zudem auch mit dem Sinn und Unsinn des Kaufverhaltens und mit den Problemen, die sich durch übermässigen Konsum  für den Einzelnen unter Umständen ergeben können ( Mal ganz abgesehen von den umweltschädlichen Faktoren von zuviel Konsum….).

Seit vielen Jahrzehnten schon findet zumindest in unserer westlichen Welt Konsum nicht mehr nur ausschließlich zur Deckung von lebensnotwendiger Güter ( Lebensmittel,  notwendige Möbel, Kleidung für das entsprechende Wetter, Miete / Hypotheken und Nebenkosten, Heizstoffe etc. ) statt. Während man früher also fast ausschließlich Dinge und Waren kaufte die  dem  Zwecke der Existenzsicherung dienten, kaufen wir doch mittlerweile neben diesen Produkten sehr Vieles einfach nur weil wir es haben möchten… und weil kaufen natürlich Spass machen kann….wenn man es in Maßen betreibt und sich nicht in eine Abhängigkeit begibt.

In Deutschland zeigen geschätzte 5 % der Jugendlichen und Erwachsenen Symptome einer Kaufsucht ( dies sind ca. 4 Millionen Menschen). Rund 800.000 Menschen sind laut einer Studie der TK-Krankenkasse kaufsüchtig. Mir war bislang nicht klar, dass es sich bei dem Zwang zu kaufen um eine Sucht handelt, die abhängig machen kann, auch wenn dabei keine Substanzen wie z.B. Alkohol oder Drogen eine Rolle spielen, sondern der Drang nach einer Tätigkeit. Es entsteht eine starke psychische Abhängigkeit vom unwiderstehlichen Drang etwas kaufen zu müssen und dem dabei entstehenden Gefühlen, die unmittelbar mit einem Kauf zusammenhängen. Kaufsucht ist keine eigenständige Krankheit. Sie wird zu den Impulskontrollstörungen gezählt und tritt häufig in Verbindung mit anderen Krankheiten wie zum Beispiel einer Depression auf. Der Grundstein soll lt. Untersuchungen oft bereits in der Kindheit gelegt worden sein: Süchtige haben einen Mangel an Liebe und Geborgenheit erfahren und/ oder mussten sich Zuneigung erst verdienen.  In einem Alter wo die kaufsüchtigen Menschen über eigenes Geld verfügen ( auch das wird von Banken gefördert z.B. in Form von großzügigen Krediten bereits für kleinere Anschaffungen), wird versucht die Sorgen, Frust und Stress oder auch Langeweile durch den Konsum auszugleichen. Das übermässige kaufen führt oft auch zu Schuldgefühlen, der Familie gegenüber. Die Einkäufe werden z.B. vor dem Ehepartner versteckt, damit man sich nicht rechtfertigen muss. Das Ausmaß der Käufe und die ausgegeben Beträge werden  heruntergespielt ( günstig bekommen, das Kleidungsstück hab ich doch schon lange usw.)

Kaufen ist gesellschaftlich akzeptiert und wird von den Medien gefördert. Durch das Internet sind wir nicht mehr an Geschäftsöffnungszeiten gebunden und können 24 Std. jeden Tag ohne Einschränkung shoppen und bestellen und dann bequem in kleinen Raten zahlen ( oder auch nicht, wenn wir bereits verschuldet sind) Zu dem Zwang des Kaufen kommen dann häufig finanzielle Probleme, da wir auch dann nicht mehr in der Lage sind, mit dem Konsumieren aufzuhören, wenn das Konto leer ist. Schulden werden gemacht, der Überblick über die Gläubiger geht verloren. Und der Frust wird noch größer, was wieder zu vermehrten Käufen führt, um sich einen Moment lang gut zu fühlen. Irgendwie ein Teufelskreis. Es ist sicher kein leichter weg aus dieser Abhängkeit heraus zu kommen, da die Konsumgüter uns täglich präsent sind, die Verlockungen sind ständig da.

Wenn ein betroffener Mensch sich in eine Therapie begibt, weil vielleicht der Leidensdruck zu groß geworden ist, wird zunächst an den Ursachen gearbeitet und es werden neue Strategien im Umgang mit Frust, Einsamkeit, Langeweile entwickelt. Es muss- oftmals über einen langen Zeitraum hinweg-  ein neues Kaufverhalten erlernt werden. Einkaufen gehen müssen wir ja alle in einem gewissen Maße. Es lässt sich nun mal nicht komplett vermeiden…

Bis dahin alles Liebe!

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